REINHARD POZORNY 

HERBERT SMAGON

Die Strömungen, die die Malerei unseres Jahrhunderts unterdessen eingenommen hat, sind nicht nur widersprüchlich und uneinheitlich, sondern landeten in einer Verworrenheit, die in ihrer Dürftigkeit und Themenwiederholung nur noch Ausläufer einer Kunstepoche sein können. Professor Richard W. Eichler spricht von einer schwächlichen Nachblüte und fordert gegen die derzeitige Kunstlenkung auf, Widerstand zu leisten und damit eine Bürgerpflicht in einem freien Land zu erfüllen. Dieser Aufforderung kommt Herbert Smagon seit Jahren nach. Es handelt sich um einen durch vielfältiges Schicksal gereiften Mann, der 1927 in dem zum Sudetenland gehörenden Teil Schlesiens geboren und bereits mit zwölf Jahren Privatschüler eines bekannten Malers wurde.

Seine erste öffentliche Ausstellung fand mit vierzehn Jahren statt. Bereits mit sechzehn Jahren wurde er in die Akademie der bildenden Künste in Wien aufgenommen und mit siebzehn Jahren verlieh ihm die Stadt Wien die erstmalig gestiftete Jugendkunstmedaille. (Ausstellung seiner Werke in der Wiener Hofburg.)

1945 wurde er heimatvertrieben, wobei alle seine bisherigen Arbeiten dem Inferno anheim fielen. Er begann neu in Stuttgart und hat, nachdem er aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft entflohen war, auch in Österreich nicht bleiben dürfen und wurde zum zweiten Male vertrieben.

Zunächst war er als Grafiker in der Werbung tätig und hat sich später zu einem Fachmann auf dem Gebiete der internationalen Szene entwickelt. Er hat eine Reihe Bücher illustriert, Bühnenbilder entworfen und war auf dem Sektor des Plakatwesens wiederholt erfolgreich. Nach und nach konnte er sich wieder seiner eigentlichen Tätigkeit zuwenden und schuf eine Reihe großformatiger Bilder, die einen ausgeprägten künstlerischen Stil im Sinne einer Wiederbesinnung an die Schönheit der Schöpfung verraten. Sein künstlerisches Anliegen besteht vor allem darin, auch für die Schönheit der Schöpfung sich und dem Beschauer die Augen zu öffnen und mutig auch den Begriff einer heilen Welt wieder in das Bewußtsein der Kunstfreunde heranzuführen.

Er hat von Anfang an den Mut gehabt, sich der einseitigen Entwicklung der heute offiziellen Kunstszene zu widersetzen und weigerte sich bisher konsequent, an Ausstellungen teilzunehmen, die vom Meinungsmonopol diktiert sind. Widerspruch zu leisten, wo sich Gelegenheit ergibt, gegen alles Zersetzende, Abnormale, Einseitige ist sein Hauptanliegen, wobei er sich seiner Aufgabe und Verantwortung wohl bewußt ist. Der Künstler entwickelt eine reiche Phantasie bei der Darstellung seiner nicht nur angedeuteten, sondern durchgearbeiteten Szenen, betont das Figürliche in einer sauberen und natürlichen Art, weist der Schönheit des Lebens und Menschen den gebührenden Platz zu und ist auch im Portrait von staunenswerter Überzeugungskraft. Die reiche Phantasie bietet ihm über das Figürliche hinaus ein weites Feld von Ausdrucksformen, die in ihrer Bewußtseinsbildung überraschend sind. Immer spricht das Auge, die seelische Komponente überzeugt und die absolute Sauberkeit seiner Phantasie gibt seinem malerischen Werk das bleibende Fundament.

Dort, wo er in seinen Bildern mit kämpferischer Liebe für seine Auffassung streitet, wird er zum überzeugenden Wegbereiter mit geradezu dämonischer Faszination. Seine zeitgenössischen Darstellungen, in denen er die Gefahren offenbart, die unserem Volke drohen, sind geeignet, wachzurütteln und Mutlose mit neuem Leben zu erfüllen.

Smagon selbst sagt zu seinem Hauptwerk, den ‚Bildern der Geschichte’:

„Ich gehöre auch noch zur Generation der Augenzeugen des 20.Jahrhunderts verbunden mit dem Schicksal der Deutschen. Als bildender Künstler fühle ich mich natürlich gezwungen die erlebte ganze Wahrheit der Geschichte, die bis heute möglichst verschwiegen wird, künstlerisch zu verarbeiten und für die Nachwelt zu bezeugen.“